Einleitung

Keltia III 2008/09 Albin Paulus

Einführung

Experimentelle Musikarchäologie zur Erfassung der Musik der Keltia in der Antike

Quellen:

-Funde: nur wenig vollständig erhaltene Instrumente, Beispiel: Panflöte aus Eschenz, Schweiz. Teile von Instrumenten, Beispiel: Harfenarm aus Fritzens (Tirol) mit rätischer Inschrift. Bei Teilen fragt sich oft, ob es überhaupt zu einem Instrument gehört, und wenn ja, wie das gesamte Instrument aussah.

-Abbildungen, Skulpturen, Ikonographie: Gute Quellenlage, besonders in der Hallstattzeit, Beispiel, Hornpfeifen des Osthallstattkreises.

-Texquellen: sehr selten. Nur bei griechischen Autoren, jedoch kaum aufschlussreich. Keine Notenschrift in der Keltia der Antike nachweisbar.

Methodik:

Ziel ist es, ein brauchbares Instrument auf Grundlage dieser Quellen zu bauen und im Idealfall auch Tonsysteme und Stimmungen der Instrumente zu finden und zu untermauern.

Problem: Die Spieltechnik des Instrumentes ist nicht bekannt. Beispiel: Knochenflöten. Aufgrund des dauerhaften Materials sind die Instrumente oft sehr gut erhalten, aber es bieten sich immer mehrere Spieltechniken an, die zu völlig unterschiedlichen musikalischen Ergebnissen führen!

Hilfreich ist der Vergleich mit rezenten Instrumenten. Experimentelle Musikarchäologie ist deshalb kaum von Ethnomusikologie und Instrumentenkunde zu trennen. Auch die Kenntnis von Naturmaterialien ist wichig. Je weniger Aufwand bei der Bearbeitung, desto naheliegender ist dessen Verwendung, Beispiel: Holunder und Schilf ( besonders Arundo Donax) für Blasinstrumente, da von Natur aus hohl. Ebenso ist die Werkzeugkunde heranzuziehen und die Technologie der Zeit zu berücksichtigen.

Beispiel: Hornpfeife des Osthallstattkreises ließ sich durch Vergleich mir rezenten Honpfeifen aus Wales (Pibgorn), Baskenland (Alboka) und mit Dudelsäcken aus Nordafrika (Meswed) unter Verwendung dreier Materialien (Schilf, Holunder und Kuhhorn) mit wenigen Werzeugen (Messer, Bohrer) nachbauen.

Verwendete Begriffe und Kategorien der gebauten Instrumente (Vorschlag):

- Replik: Detailgetreuer Nachbau eines Fundstückes, fehlende Teile sind nicht ergänzt, deshalb meist auch nicht spielbar.

- Rekonstruktion (als wissenschaftlicher Begriff): Spielbarer Nachbau eines erhaltenen Instrumentes, aber auch Instrumente, bei denen zumindest die wichtigsten Teile nach Originalen gebaut sind und fehlende Teile ergänzt sind. Wenn die Ikonographie und Textquellen den genauen Aufbau betreffen (Konstruktionspläne, detaillierte Abbildungen, Baubeschreibungen) kann man ebenfalls von einer Rekonstruktion sprechen.

- immaginäre Rekonstruktion: Instrument, das zumindest durch Abbildungen und rezente Doppelgänger belegt ist. Kompromisse (moderne Materialien zur besseren Spielbarkeit) sind vorhanden.
Wenn kein Original erhalten ist, aber die übrige Quellenlage sehr gut berücksichtigt wurde, ist der Erkenntniswert oft höher als bei originalgetreuen Repliken, da diese als Einzelstücke nicht zwangläufig repräsentativ sind.

-Nachempfindung: Instrument, das kaum Quellen berücksichtigt, aber "antik" ausschaut!